Homosexuelle Initiative (HOSI) Wien

1. Lesben- und Schwulenverband Österreichs

HOSI Wien verabschiedet neues Forderungsprogramm

Der auf der 34. Ordentlichen Generalversammlung neu gewählte Vorstand Cécile Balbous (Obfrau), Christian Högl (Obmann), Gerhard Liedl und Christian Burger (Kassiere), Luzia Hütter und Romana Heyduk (Schriftführerinnen) mit den beiden RechnungsprüferInnen Waltraud Riegler und Gottfried Gruber

Die Homosexuelle Initiative (HOSI) Wien, Österreichs ältester Lesben- und Schwulenverband, hat auf ihrer 34. ordentlichen Generalversammlung vergangenen Samstag, 27. April 2013,  ein neues, komplett überarbeitetes Forderungsprogramm verabschiedet.

„Diese Neufassung war dringend notwendig“, erklärt der wiedergewählte Obmann Christian Högl, „denn die alte Fassung stammte noch aus 1989. Die meisten der damals formulierten Forderungen haben wir ja seither durchsetzen können, und in vielen Bereichen haben Veränderungen und Weiterentwicklungen in diesen 24 Jahren manche Forderung obsolet werden lassen. Uns war außerdem wichtig, rechtzeitig zu unserem 35. Geburtstag im nächsten Jahr über ein Forderungsprogramm auf der Höhe der Zeit zu verfügen.“

Keine bedingungslose Öffnung der Ehe

„In Sachen Gleichstellung von PartnerInnenschaften hält die HOSI Wien an ihrem fortschrittlichen und differenzierten Ansatz fest“, erklärt Cécile Balbous, neugewählte Obfrau der HOSI Wien. „Selbstverständlich fordern wir weiterhin die Beseitigung noch bestehender Benachteiligungen der Eingetragenen Partnerschaft (EP) gegenüber der Ehe, ausdrücklich jedoch nicht bestimmter Unterschiede, die wir als positiv erachten. Es geht uns jedoch nicht um eine bedingungslose Öffnung der Ehe, sondern um breitere Vielfalt bei der rechtlichen Anerkennung von PartnerInnenschaften. Und dabei sollte sich die Gesellschaft jedenfalls vom mittlerweile veralteten patriarchalen Modell der Versorgungsehe endgültig verabschieden. Grundsätzlich muss daher die wirtschaftliche Unabhängigkeit der einzelnen PartnerInnen im Vordergrund stehen und gefördert werden, denn eine echte Wahlfreiheit bei der Form des Zusammenlebens ist nur dann gegeben, wenn keine der beteiligten Personen ökonomisch von einer anderen abhängig ist.“

Die diesbezüglichen Eckpunkte aus dem neuen Forderungsprogramm der HOSI Wien sind daher:

  • Aufwertung von Lebensgemeinschaften und Ausweitung der mit der Ehe bzw. der Eingetragenen Partnerschaft (EP) verbundenen Privilegien auf die Lebensgemeinschaft, wobei Rechte nach Möglichkeit überhaupt unabhängig von staatlich sanktionierten PartnerInnenbeziehungen und vom Familienstand individuell gewährt werden sollten;
  • Öffnung der Ehe in ihrer derzeit bestehenden Form nur für den Fall, dass der parallele Fortbestand einer modernen – und zusätzlich reformierten – EP sichergestellt ist. Sollte mit einer Öffnung der Ehe jedoch der Wegfall der EP vorgesehen sein, fordern wir die Öffnung der Ehe nur dann, wenn die Ehe vorher modernisiert und den heutigen Bedürfnissen der Menschen angepasst wird.

Ablehnung der Leihmutterschaft

Zudem fordern wir die Möglichkeit, dass ein gleichgeschlechtliches Paar unabhängig vom Familienstand gemeinsam ein Kind adoptieren kann, und den uneingeschränkten Zugang für Frauen zur künstlichen Befruchtung im Rahmen der Fortpflanzungsmedizin (z. B. Samenbanken) – egal, ob sie alleinstehend, in einer Lebensgemeinschaft, EP oder Ehe leben.

Bei der Frage der Leihmutterschaft stehen einander der Kinderwunsch von schwulen Männern und die Notwendigkeit des Schutzes von Frauen vor Ausbeutung gegenüber. Angesichts der wirtschaftlichen Ungleichheiten zwischen arm und reich sowie zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden sehen wir die Gefahr, dass die wirtschaftliche Situation von Frauen ausgenutzt wird und sie in manchen Regionen der Welt sogar dazu gezwungen werden. Vor diesem Hintergrund lehnen wir Leihmutterschaft ab.

Das Forderungsprogramm wurde von der Generalversammlung einstimmig angenommen und findet sich im vollen Wortlaut auf unserem Website.

 

 

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