Homosexuelle Initiative (HOSI) Wien

1. Lesben- und Schwulenverband Österreichs

HOSI Wien: Russisch-orthodoxer Kirche in Österreich muss staatliche Anerkennung entzogen werden!

Solidaritätsaktion für Pussy Riot in der russisch-orthodoxen Kathedrale in Wien-Landstraße am 15. August 2012. (Foto: Luca Faccio)

In einem heute an Unterrichtsministerin Claudia Schmied gerichteten Schreiben fordert die Homosexuelle Initiative (HOSI) Wien, der russisch-orthodoxen Kirche in Österreich den Status einer staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft abzuerkennen. „Wir unterstützen vollinhaltlich den diesbezüglichen Antrag, den die Initiative ,Religion ist Privatsache‘ im Vormonat an Bundesministerin Schmied gestellt hat“, erklärt HOSI-Wien-Obmann Christian Högl.

„Mit zunehmender Besorgnis beobachten wir“, heißt es in diesem Schreiben, „wie gesetzlich anerkannte Religions­gemeinschaften in Österreich immer lautstarker und massiver Grund- und Menschen­rechte in Frage stellen, unterminieren und auch nicht davor zurückschrecken, den Rechtsstaat zu erpressen, wie etwa in der aktuellen Beschneidungsdebatte.“ Besonders verwerflich ist in dieser Hinsicht die politische Einmischung der russisch-orthodoxen Kirche, die heute leider in Russland quasi wieder mitregiert und die Politik Wladimir Putins und seiner Regierung unterstützt, die Rechte von Lesben und Schwulen drastisch einzuschränken, etwa durch jüngst beschlossene Gesetze, welche die „Propagierung“ von Homosexualität unter Strafe stellen und die auch konsequent gegen HomosexuellenaktivistInnen eingesetzt und angewendet werden.

„Ein unrühmlicher Höhepunkt dieser unheiligen Allianz zwischen russisch-orthodoxer Kirche und dem Putin-Regime ist die Verfolgung der Aktivistinnen von Pussy Riot nach Art der Inquisition“, ergänzt HOSI-Wien-Generalsekretär Kurt Krickler. „In jüngster Zeit hat die russisch-orthodoxe Kirche – und das ist auf keinen Fall widerstandslos hinzunehmen – ihre antidemokratischen und menschenrechtsfeindlichen Aktivitäten auch ins Ausland verlagert. So hat etwa die russisch-orthodoxe Kirche Islands am 11. August, am Tag der dortigen ,Regenbogenparade‘, in einer Tageszeitung ein bezahltes Inserat veröffentlicht, in dem Homosexualität verurteilt wird.

Keine staatliche Unterstützung für menschenrechtsfeindliche Religionsgemeinschaften!

„Wir halten dies für sehr bedenkliche Entwicklungen“, so Högl weiter. „Natürlich soll das Recht auf freie Meinungsäußerung auch für Religionsgemeinschaften und ihre Vertreter gelten, und wir fordern hier auch gar keine Einschränkungen: Wenn sie Homosexualität als Sünde verurteilen, nehmen wir gerne den demokratischen Meinungs- und Ideenstreit mit ihnen auf. Aber es kann nicht angehen, dass solche homophoben und antidemokratischen Haltungen durch die staatliche Anerkennung dieser Bekenntnisgemeinschaft, mit der zusätzlich viele unserer Meinung nach völlig ungerechtfertigte Privilegien einhergehen, auch noch den Segen des Staates erhalten und damit indirekt vom Staat gutgeheißen werden. Dies widerspricht auch fundamental dem Prinzip der Trennung von Kirche und Staat, auf dem Österreich eigentlich aufgebaut sein sollte.“

Boykott der Winterolympiade in Sotschi 2014

„Wir fordern die österreichische Bundesregierung zudem auf“, so Krickler abschließend, „einen Boykott der Winterolympiade in Sotschi 2014 ernsthaft in Erwägung zu ziehen, sollten die drei inhaftierten Aktivistinnen von Pussy Riot nicht unverzüglich freigelassen werden – sie sind nicht nur politische Gefangene, sondern auch Opfer einer religiösen Hexenjagd seitens der russisch-orthodoxen Kirche.“

HINWEIS: Brief an Bundesministerin Claudia Schmied; Antrag der Initiative „Religion ist Privatsache“. Weitere Hintergrundberichte auch in der aktuellen Ausgabe der HOSI-Wien-Zeitschrift LAMBDA-Nachrichten # 4/2012 (S. 6 ff sowie S. 24).

Rückfragehinweis:
Christian Högl, Obmann, Tel. 0699-118 11 038
Kurt Krickler, Generalsekretär, Tel. 0664-57 67 466

 

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