Homosexuelle Initiative (HOSI) Wien

1. Lesben- und Schwulenverband Österreichs

HOSI Wien skeptisch gegenüber neuer CSD-Initiative: Werden kommerzielle Parade nicht unterstützen

„Wir freuen uns sehr darüber, dass sich Wiens kommerzielle Szene wieder verstärkt im Rahmen der Regenbogenparade engagieren will“, erklärt Christian Högl, Obmann der HOSI Wien, die die letzten acht Regenbogenparaden in Wien erfolgreich organisiert hat. „Selbstverständlich begrüßen wir jede Initiative, die Parade aktiv zu unterstützen.“

„Wir sehen jedoch keinerlei Notwendigkeit, eine neue Struktur zu schaffen und die Parade – wie jetzt ins Spiel gebracht wird – ‚wieder von einer unabhängigen Dachorganisation der österreichischen LGBT-Community‘ zu organisieren“, so Högl weiter, der auch darauf hinweist, dass der CSD-Wien-Verein, der die Parade von 1996 bis 2002 organisiert hatte, keine Dachorganisation der Community war. „Die Beteiligung der Community und damit der Erfolg der Parade hängt ja nicht von der Vereinsstruktur, sondern vom Engagement aller ab. Darüber hinaus sind die meisten der von den Proponenten für einen neuen ‚CSD Vienna‘ ins Treffen geführten Grundsätze ohnehin längst in der Paradenorganisation durch die HOSI Wien verwirklicht. Andere Punkte – etwa ‚gemeinsam getragene politische Forderungen‘ – widersprechen diametral dem Verständnis und Zugang, durch die sich die Parade bisher ausgezeichnet hat. Denn jede teilnehmende Gruppe kann ihre eigenen politischen Forderungen auf der Parade transportieren. Es gibt bisher keinen Zwang, sich gemeinsamen Forderungen oder einer – vermeintlichen – Mehrheitsmeinung der Community unterzuordnen. Die HOSI Wien ist daher auch in Zukunft Garantin nicht nur für parteipolitische Unabhängigkeit, sondern vor allem auch dafür, dass es in dieser Hinsicht keine Zensur geben wird. Angesichts der Vielfalt der LSBT-Community könnte die Regenbogenparade leicht zu einer völlig unpolitischen LSBT-Version einer Street-Parade verkommen, sollte man sich auf gemeinsame politische Forderungen einigen müssen.“

Kommerzielle Szene zur Mitarbeit eingeladen

„Wir haben die kommerzielle Szene – ebenso wie die anderen Vereine und alle nichtorganisierten Interessierten aus der Community – immer zur Mitarbeit an den Vorbereitungen und den Inhalten der Parade eingeladen, unser Angebot wurde aber oft nur beschränkt angenommen. Wir erneuern diese Einladung selbstverständlich für die Regenbogenparade 2011 wieder, die am 9. Juli stattfinden wird. Für 19. Oktober 2010 haben wir in diesem Sinn die gesamte Community und kommerzielle Szene zu einem Treffen eingeladen, bei dem wir nicht nur die Ergebnisse der Rückmeldungen auf unseren Feedback-Fragebogen zur Parade 2010 präsentieren, sondern uns auch allfälliger Kritik stellen werden. Wir sind immer für Anregungen und Vorschläge offen und freuen uns über jede innovative Idee, die wir nur allzu gerne umsetzen“, ruft Högl zu konstruktiver Zusammenarbeit auf.

„Wir laden daher speziell auch die kommerzielle Szene ein, unser Angebot anzunehmen, sich aktiv in die Vorbereitungen einzubringen und die bewährte Struktur weiterhin zu nutzen, statt sich durch Vereinsmeierei von ihren wichtigen Beiträgen und den eigentlichen Zielen ablenken zu lassen und damit auch einen spaltenden Keil in die Community zu treiben“, so Högl, der eine Beteiligung der HOSI Wien an einer kommerziellen Parade definitiv ausschließt.

HOSI Wien steht für eine rein kommerzielle Parade nicht zur Verfügung

„Als Mitglieder des bisherigen Organisationsteams werden wir sicherlich an keiner Parade mitarbeiten, die nicht von der lesbisch-schwulen und Transgender-Bewegung getragen wird, sondern hauptsächlich von Vertretern von Firmen und Unternehmen, die vor allem ein kommerzielles Interesse an der Parade haben“, betont auch Karl Kreipel, „längstdienender“ ehrenamtlicher Mitarbeiter der Parade, der schon im früheren CSD-Verein mitarbeitete, und bringt damit die einhellige Haltung des Orga-Teams zum Ausdruck. Martina Goldenberg und Judith Rudolf ergänzen unisono im Namen des Teams: „Motivation für unsere ehrenamtliche Mitarbeit bei der Parade ist in erster Linie, uns für ein gesellschaftspolitisches Anliegen in zivilgesellschaftlichem Rahmen zu engagieren, und nicht, profitorientierte Interessen zu unterstützen. Es wäre schade, würde die Gay-Pride-Parade eine völlig von kommerziellen Interessen dominierte Veranstaltung werden, wie das leider im Ausland vielfach bereits der Fall ist, was oft daran liegt, dass die Bewegung dort nicht in der Lage ist, eine solche Großveranstaltung auf die Beine zu stellen.“

„In Wien befinden wir uns indes in der glücklichen Lage, solche bedauerlichen Entwicklungen wie im Ausland nicht mitmachen zu müssen, weil es mit der HOSI Wien eine starke und erfahrene Organisation gibt, die der Bewegung zuzurechnen ist und die über die nötigen personellen und finanziellen Ressourcen verfügt, um dieses Großevent der Bewegung durchzuführen“, erklärt Högl weiter und lobt das Organisationsteam: „Es hat die Parade in den letzten acht Jahren professionell aufgezogen und durchgeführt. Wir sehen daher nicht den geringsten Grund, diese Aufgabe abzugeben. Außerdem befürchten wir, dass Aufbau und Organisation eines neuen Vereins viel Energie und Zeit in Anspruch nehmen würden – die jedoch für die Organisation der Parade viel nötiger wären. Und gerade an Zeit und Energie scheint es ja in den letzten Jahren bei den Lokalen und Unternehmen gefehlt zu haben, die keinen Paradenbeitrag – sei es durch eine Fußgruppe oder gar einen großen Truck – umsetzen konnten. Bei einer solchen Ausgangslage die Parade auf gut Glück abzugeben wäre der Community gegenüber unverantwortlich. Wie jedoch bereits betont, sind wir für eine enge Zusammenarbeit bereit und freuen uns auf Ideen, Anregungen und die Mithilfe von allen, die sich einbringen wollen.“

Rückfragehinweis:
Christian Högl, Obmann, Tel.: 0699-118 11 038
Martina Goldenberg, Medienbetreuung Parade: martina.goldenberg@hosiwien.at

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