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Jelinek: „Haider ist Führer eines homoerotischen Männerbundes“

Haider arbeite "bewusst mit homophilen Codes, natürlich ohne sich wirklich als homosexuell zu bekennen". Frauen seien weder seine Wählerinnen noch seine bevorzugten Kandidatinnen.

Berlin – Die österreichische Schriftstellerin Elfriede Jelinek hat FPÖ-Chef Jörg Haider als "Führer eines homoerotischen Männerbundes" bezeichnet. In einem Interview mit der Berliner Morgenpost (Sonntagausgabe) sagte sie, Haider arbeite "bewusst mit homophilen Codes, natürlich ohne sich wirklich als homosexuell zu bekennen". Haider sei allerdings kein Macho, er werde auch nicht so empfunden. Frauen seien weder seine Wählerinnen noch seine bevorzugten Kandidatinnen, mit wenigen Ausnahmen.

Er lasse sich auf Nacktfotos abbilden "und er spielt mit seiner sexuellen Ambivalenz", wird Jelinek zitiert. Sie glaube, dass das Phänomen Haider nicht zuletzt ein erotisches ist, "denn er kann Mann und Frau zugleich sein, das gibt ihm das Schillernde, das die Massen ‚einfängt’". Mit Hitler sei es ähnlich gewesen. Haider arbeite, "wie alle faschistoiden Bewegungen, mit dem ästhetischen Körperkult, mit dem homoerotischen Männerbund, der sich im Sport manifestiert, es ist sozusagen der erlaubte sexuelle Akt mit dem braun gebrannten jungen – er ist so alt wie ich! – ‚Führer‘, der huldvoll seine Gunst gewährt".

Jelinek ist nach eigenen Angaben noch nie in ihrem Leben für etwas so angegriffen worden wie für ihre Ankündigung, die österreichischen Bühnen nicht mehr mit ihren Stücken zu beliefern, solange in Wien Haiders FPÖ an der Regierung beteiligt ist. Als Übernahme aus Wien wird an dem jetzt von Claus Peymann geleiteten Berliner Ensemble (BE) die Spielfassung ihres 1989 erschienenen Romans "Lust" auf die Bühne gebracht. Das erste eigene Projekt für das BE ist nach den Worten Jelineks ihr Stück "Macht nichts. Eine kleine Trilogie des Todes", das Ende 2000 oder Anfang 2001 herauskommen soll. (APA/dpa)

Der Standard, Wien, vom 27./28. 2. 2000

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